


cdl
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Die Sonne scheint durch die Wolken
Es war ein verregneter Tag. Die Menschen begannen mit der Arbeit.
Mütter liefen mit kleinen Kindern durch die Strassen, brachten sie
zum Kindergarten. Männer fuhren zur Arbeit. Ich begab mich etwas
unmotiviert an meinen Arbeitsplatz. Dieser hiess Abtreibungsklinik.
Unmotiviert war ich, weil die Arbeit oft mit vielen Kämpfen
verbunden ist, weil einem oft viel Aggression von den Menschen
entgegengebracht wird. Die letzten Tage waren anstrengend. Es ist
schmerzlich zu sehen, wie die Mütter mit Baby im Bauch an einem
vorbei gehen und ein paar Stunden später wieder herauskommen und
das Baby ist tot. Manchmal kommt man als Gehsteigberater ganz
schön an seine Grenzen. Dies ist natürlich nichts im
Vergleich zu dem Unrecht, welches an den Ungeborenen geschieht. Die
ersten Frauen liefen - ohne auf meine Worte einzugehen - vorbei in die
Abtreibungsklinik.
Traurig schaute ich ihnen nach.
Dann bemerkte ich ein junges Paar, das sich suchend umschaute. In mir
läuteten die Alarmglocken! Ich lief auf sie zu: "Kann ich Ihnen
helfen?"
"Ja, wir suchen die Praxis von Dr. ......."
Ich antwortete nicht, sondern begann sie zu beraten. Die beiden waren
völlig überrascht. Sie kamen überhaupt nicht auf die
Idee weiterzugehen. Ich rechnete die ganze Zeit damit, dass sie mir wie
die anderen Frauen an diesem Tag, widersprechen und in die Klinik
weitergehen würden . Doch nichts dergleichen geschah. Sie
schwiegen und ich merkte, dass meine Worte auf sie wirkten.
Ungefähr zwanzig Minuten vergingen und wir waren in ein
Gespräch vertieft. Welche Hilfen gibt es für das Baby? Wo und
wie kann man eine grössere Wohnung finden? (Sie wohnten in einem
Ein-Zimmer Appartement) Ich vergass völlig den Ort, an dem ich den
beiden begegnete, und dass ihr Kind eigentlich schon "fast" abgetrieben
hätte sein können. Es war unglaublich. Sie hatten einen
Termin zur Abtreibung und statt dessen sagte der Mann, dass er Tischler
sei und einen schönen Wickeltisch bauen wird! Seine Freundin
schaute ihn an, sie weinte und sagte: "Du meinst, wir behalten unser
Kind?" "Ja Schatz, wir werden uns doch nicht, nach allem was wir gerade
hörten, so viel Leid antun!" antwortete er. Meine Augen
füllten sich mit Tränen, die beiden lagen sich jetzt in den
Armen. Ich konnte nicht glauben, was ich gerade erlebt hatte! Ich
schaute nach oben und sah, dass die Sonne schien, obwohl es noch vor
kurzen geregnet hatte.
Ihr kleiner Sohn wurde gesund geboren und seine Eltern sind
glücklich und stolz. Natürlich hat er einen perfekten
Wickeltisch und eine Wiege von seinem Papa geschnitzt bekommen. Das
Leben hat gesiegt!
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