cdl-he 13.08.03 

Epigenetik 
Thema der Jahrestagung der Gesellschaft für Genetik in Kassel 

"Die Epigenetiker halten den Schlüssel zur besseren Stammzell- und Klonforschung in Händen", so umschrieb Sascha Karberg in der Berliner Zeitung vom 21.11.02 einen zunehmend an Bedeutung gewinnenden Forschungszweig der Genetik. Immer mehr gelangt zum Bewußtsein, daß mit der angeblichen Entschlüsselung der menschlichen DNA auch nicht annähernd die Antworten auf die Fragen der Biologen gefunden werden konnten, die sie sich erhofft hatten. Es gibt eine Fülle genetischer Phänomene, die nicht direkt in der DNA Sequenz codiert sind. 

In der Stammzellforschung versucht man, aus einem Zelltyp einen anderen herzustellen. Die Besonderheit einer Zelle wird durch die Gene festgelegt. In jeder Zelle sind jedoch die gleichen 
Gene enthalten - insgesamt sind es schätzungsweise dreißigtausend. Da sich an den Genen selbst 
nichts ändert, muss die Unterschiedlichkeit der Zellen epi-genetischer Natur sein (griechisch epi 
neben). Das heißt, neben dem genetischen Code gibt es Markierungen, die dafür sorgen, dass in 
einem Gewebe auch die richtigen, gewebetypischen Gene aktiv sind. 

Mit diesem Forschungsgebiet - Epigentik - befaßt sich nun die im September an der Universität Kassel stattfindende "Internationale Jahrestagung der Gesellschaft für Genetik. In einer Presseverlautbarung dazu teilt die Universität mit:



Universität Kassel - 08.08.03 
"Epigenetics": Internationale Jahrestagung der Gesellschaft für Genetik an der Uni Kassel

Prof. Dr. Wolfgang Nellen, Dr. Christian Hammann und Dr. Markus Kuhlmann, Genetiker an der Universität Kassel, sind Gastgeber für die internationale Jahrestagung 2003 der Deutschen  Gesellschaft für Genetik, die an der Universität Kassel vom 26. bis 29. September statt findet. 

Kassel. "Epigenetik" - das Wort ist (noch) relativ unbekannt in der Öffentlichkeit. Es beschreibt ein  Forschungsgebiet der Genetik, das in den letzten drei Jahren international einen unvorstellbaren  Auftrieb erhalten hat und das vom Wissenschaftsmagazin Science als das spannendste Forschungsprojekt des Jahres 2002 bezeichnet wurde.Prof. Dr. Wolfgang Nellen, Dr. Christian  Hammann und Dr. Markus Kuhlmann, Genetiker an der Universität Kassel, sind Gastgeber für die internationale Jahrestagung 2003 der Deutschen Gesellschaft für Genetik, die an der Universität  Kassel vom 26. bis 29. September statt findet. 

Zu der Tagung, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, vom Kasseler Hochschulbund, der  Universität und vielen anderen Sponsoren unterstützt wird, konnten sie die führenden Wissenschaftler  aus dem In- und Ausland als Vortragende gewinnen. Den Organisatoren erschien es wichtig, dass  möglichst viele Modellorganismen aus dem Bereich der Epigenetik vertreten sind: die Vorträge behandeln Bakterien, Amöben, Würmer, Fliegen und Pflanzen und gehen bis zur klinischen Forschung am Menschen. Es ist weltweit eine der ersten Konferenzen, die die verschiedenen Aspekte dieser  aktuellen Forschungsrichtung so konzentriert zusammen fasst. Die Reaktion der Scientific Community ist beeindruckend. "Wir haben zur Zeit bereits Anmeldungen aus mehr als 15 Ländern und rechnen  damit, dass wir Anmeldungen abweisen müssen, weil die Kapazität des Hörsaals nicht ausreicht.  Wenn Forscher aus USA, Kanada, Australien und anderen Ländern für diese Konferenz extra nach  Kassel kommen, so bedeutet das zweifellos einen immensen Schub für die Universität, die Stadt und  die Region als Wissenschaftsstandort", meint Wolfgang Nellen. Die Idee für die Konferenz entstand  aus dem Forschungsgebiet der Kasseler Genetiker und einem nationalen Forscherverbund, der im  Jahr 2002 mit Unterstützung der DFG gegründet wurde. In diesem Schwerpunktprogramm arbeiten etwa 12 Gruppen gemeinsam an dem Thema "Epigenetik", das genetische Phänomene untersucht, die nicht direkt in der DNA Sequenz codiert sind. Beim Menschen sind epigenetische Erkrankungen  seit langer Zeit bekannt, einem Verständnis und damit der Möglichkeit medizinischer Eingriffe ist man  jedoch erst in den letzten zwei bis drei Jahren näher gekommen. Dabei dienten einfache Modellorganismen wie Fliege, Wurm, Pflanze und Amöbe dazu, die Grundlagen zu erarbeiten und um  schließlich festzustellen, dass die epigenetischen Mechanismen in diesen verschiedenen Lebewesen sehr ähnlich sind.

Für Fachleute und allgemeine Öffentlichkeit

Die Naturwissenschaften der Universität Kassel pflegen seit langem die Öffentlichkeitsarbeit und  bemühen sich, Wissenschaft für die Allgemeinheit verständlich zu machen. Im Rahmen der Konferenz  wird deshalb am 26. September, 18 Uhr, ein öffentlicher Abendvortrag mit dem Thema "Malaria: Neue  Strategien zur Bekämpfung einer großen Tropenkrankheit" von Prof. Dr. Hermann Bujard (Uni Heidelberg) angeboten, der international als Spezialist auf dem Gebiet der Malariaforschung  ausgewiesen ist. Im Rahmen der Konferenz organisieren Dr. Jörg Klug (Uni Giessen) und Prof. Dr.  Helmut Vogt (Uni Kassel) einen Workshop unter dem Thema "Wie viel Genetik braucht die Schule?".  Dabei werden unterschiedlichste Lehrangebote für den Biologieunterricht angeboten, die vom  virtuellen Labor auf dem Computer bis zum anspruchsvollen Praktikum "Molekulargenetik" für Schulen  reichen. Der Workshop findet am 29. September statt. Während die Epigenetik-Tagung für den Laien  wohl zu speziell ist, können sich Interessenten für den Workshop unter 

http://www.epigenetics2003.net/workshop.php informieren und anmelden.
uh

Info
Prof. Dr. Wolfgang Nellen
Universität Kassel
Fachbereich Naturwissenschaften
Abt. Genetik
tel (0561) 804 4805
fax (0561) 804 4800
e-mail nellen@uni-kassel.de
Internet http://www.uni-kassel.de/fb19/genetics 

Weitere Informationen finden Sie im www:



Den Eingangs zitierten Beitrag von Sascha Karberg in der Berliner Zeitung finden Sie unter:
http://www.life-lobby.de/doku/b-med/epigen.htm
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