| Stiftung Ja
zum Leben - 03.07.03
Neunstündiger Überlebenskampf
ohne ärztliche Hilfe
Meschede, 3. Juli 2003. Der kleine Tim aus Oldenburg, der 1997 wegen Down-Syndrom abgetrieben werden sollte, jedoch seine Abtreibung überlebte, wird am Samstag sechs Jahre alt. Der Fall Tim hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, da man ihn neun Stunden nach der versuchten Abtreibung nahezu unversorgt hatte liegen lassen. Die Verfahren wegen versuchter Tötung durch Unterlassen sowie der Verdacht auf Körperverletzung wurden mittlerweile von der Staatsanwaltschaft Oldenburg eingestellt. Als widersprüchlich und nicht haltbar betrachtet Dr. med. Claudia Kaminski, Sprecherin der Aktion "Tim-lebt", die im Einstellungsbescheid aufgeführten medizinischen Gutachten: "Es ist völlig spekulativ und in keiner Weise belegt, dass Tim wegen der Unterkühlung überlebt hat, wenn gleichzeitig im ärztlichen Gutachten sogar dargelegt wird, dass Maßnahmen wie Inkubator, Wärmestrahler für Frühgeborene unumgänglich sind!" Gesichert sei dagegen, dass Unterkühlung ein signifikant höheres Infektionsrisiko durch die damit verbundene Immunsuppression (Unterdrückung der körpereigenen Abwehr) mit sich bringe. Ebenso erscheine die Argumentation zur Schmerzempfindung des kleinen Tim absolut fadenscheinig. "Die vorgelegte Argumentation ist nicht stichhaltig," so Kaminski. "Jeder Anästhesist weiß, dass Hypnose und Analgesie zwei verschiedene Komponenten der Narkose sind. Man kann daher nicht davon ausgehen, dass Tim tatsächlich keine Schmerzen empfunden hat." Schon 1991 habe die Bundesärztekammer Richtlinien herausgegeben, die eine vollständige Anästhesie bei Spätabtreibungen empfehlen. Tims Schicksal macht auf drastische Weise auf die völlig unzureichende Abtreibungsgesetzgebung in Deutschland aufmerksam. Tim ist bei weitem kein Einzelfall. Allein im vergangenen Jahr wurden 188 Spätabtreibungen (nach der 23. Schwangerschaftswoche) beim Statistischen Bundesamt gemeldet. Nach Schätzungen von Fachleuten liegt die Dunkelziffer jedoch weitaus höher. Durch den stetig ausgeweiteten Einsatz der Pränataldiagnostik ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. So geht man beispielsweise davon aus, dass bereits jetzt 90-95% aller Kinder, bei denen das Down-Syndrom diagnostiziert wurde, abgetrieben werden. "Hinzu kommt, dass die "Kind-als-Schaden-Urteile" deutscher Gerichte Ärzte dazu bringen werden, im Zweifel lieber zur Abtreibung zu raten, als die Gefahr einer Unterhaltszahlung für ein behindertes Kind auf sich zu nehmen," fürchtet Kaminski, die auch Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) und der Aktion Lebensrecht für alle (ALfA) ist. Tim lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. Neben dem Down-Syndrom muss er heute mit einigen zusätzlichen Behinderungen kämpfen - Folgen der versuchten Abtreibung. "Wir sind sehr froh, dass Tim zum Geburtstag eine Delphintherapie geschenkt werden konnte. Den zahlreichen Spendern sei dafür herzlich gedankt", so die Vorsitzende der Stiftung Ja zum Leben, Johanna Gräfin von Westphalen. Seine Pflegeeltern erhoffen sich davon eine Steigerung seiner Lernfähigkeit und Verbesserung der körperlichen und geistigen Entwicklung. Interviewmöglichkeit:
"www.Tim-lebt.de" ist
eine Kampagne der
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