Weihnachten 2002
"Hat wohl mit Jesus zu tun" |
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München (AP) - Weihnachten steht vor der Tür, aber viele Kinder wissen gar nicht warum. Bei einer Umfrage des Münchner Jugendforschungsinstituts "iconkids & youth" unter Sechs- bis Zwölfjährigen hatten 39 Prozent keine Ahnung, warum Weihnachten eigentlich gefeiert wird. In den neuen Bundesländern wussten sogar 54 Prozent (Westdeutschland 36 Prozent) nicht, was es mit Weihnachten auf sich hat. Als Gründe für das Weihnachtsfest wurden etwa angegeben: "daß Winter ist", "damit die Geschäfte mehr verkaufen" oder "da ist der Weihnachtsmann gestorben".
Dem Institut zufolge gaben insgesamt 6 prozent der Kinder offen zu, die Gründe für die Feierlichkeiten vom 24. bis 26. Dezember nicht zu kennen. 15 Prozent waren immerhin auf der richtigen Spur und erklärten: "das hat wohl was mit Jesus zu tun". 18 Prozent der Kinder lagen allerdings mit ihren Vermutungen völlig daneben und verwechselten etwa Ursache und Wirkung: So gibt es Kinder, die glauben, daß Weihnachten gefeiert wird, "weil Ferien sind und die Oma kommt".
Insgesamt jedes vierte Kind, bei den Zehn- bis Zwölfjährigen sogar jedes dritte Kind klagt: "Es nervt, daß schon Monate vor Weihnachten alles nach Weihnachten aussieht." Nur die Sechs- bis Siebenjährigen können noch nicht genug bekommen: 30 Prozent von ihnen wollen sogar noch mehr Weihnachten erleben.
Die schwierige wirtschaftliche Lage bemerken auch schon die Kleinen: Der Umfrage zufolge erwarten 30 Prozent der Kinder in diesem Jahr weniger Weihnachtsgeschenke als im Vorjahr. Als Gründe nennen sie den Teuro ("Weil alles so teuer geworden ist.") oder finanzielle Probleme der Eltern: "Mein Papa ist arbeitslos, deswegen müssen wir sparen."
Zwei Babys in der Krippe
1994 kamen zwei Amerikaner einer Einladung des russischen Bildungsministeriums nach, in öffentlichen Schulen Moral und Ethik (basierend auf biblischen Prinzipien) zu lehren. Sie waren eingeladen, in Gefängnissen, Firmen, bei der Feuerwehr und der Polizei und in einem großen Kinderheim zu unterrichten. In dem Kinderheim waren ungefähr 100 Jungen und Mädchen, die verlassen und mißbraucht worden waren und nun unter der Obhut eines Regierungsprogrammes standen. Die zwei Amerikaner erzählten die folgende Geschichte in ihren eigenen Worten:
Es ging auf Weihnachten 1994 zu, Zeit für unsere Waisen, die traditionelle Weihnachtsgeschichte zu hören. Wir erzählten ihnen, wie Maria und Josef in Bethlehem ankamen. Da sie in keiner Herberge einen Raum finden konnten, gingen sie in einen Stall, wo das Jesuskind geboren und in eine Krippe gelegt wurde. Während der ganzen Geschichte hörten die Waisen und das Personal gespannt zu. Manche saßen gar auf der Stuhlkante, um nur ja jedes Wort mitzubekommen. Als wir die Geschichte fertig erzählt hatten, gaben wir jedem Kind drei kleine Stücke Pappe, um eine grobe Krippe zu basteln. Jedes Kind erhielt ein viereckiges Stück gelben Papiers, die aus gelben Servietten, die ich mitgebracht hatte, geschnitten waren. In der ganzen Stadt war kein farbiges Papier aufzutreiben gewesen.
Unseren Anweisungen folgend, rissen die Kinder das Papier in Streifen und legten es sorgfältig als Stroh in die Krippen. Kleine Vierecke aus Flanell, die aus einem abgetragenen Nachthemd geschnitten waren, das eine Amerikanerin bei ihrer Abreise aus Rußland fortgeworfen hatte, wurden als Zudecke für das Baby benutzt. Ein puppenartiges Baby wurde aus fleischfarbenem Filz geschnitten, den wir aus Amerika mitgebracht hatten.
Die Waisenkinder waren damit beschäftigt, ihre Krippe zusammenzubauen und ich ging zwischen den Tischen umher, um zu sehen, ob wohl jemand Hilfe brauchte. Alles ging glatt, bis ich zu dem Tisch kam, an dem der kleine Mischa saß. Er sah wie ein etwa sechs Jahre alter Junge aus und hatte sein Projekt bereits fertiggestellt.
Als ich die Krippe des kleinen Jungen betrachtete, war ich überrascht, nicht ein sondern zwei Babys in der Krippe zu sehen. Schnell bat ich die Übersetzerin, den Jungen zu fragen, warum denn da zwei Babys in seiner Krippe seien. Er verschränkte die Arme vor der Brust, sah auf seine Krippe und begann sehr ernsthaft, die Geschichte nachzuerzählen.
Für einen so jungen Buben, der die Weihnachtsgeschichte nur ein einziges mal gehört hatte, erzählte er die Geschehnisse sehr akkurat - bis er zu dem Teil kam, wo Maria das Jesusbaby in die Krippe gelegt hatte. Hier begann Mischa zu improvisieren. Er erfand sein eigenes Ende der Geschichte als er sagte: "Und als Maria das Baby in die Krippe gelegt hatte, sah Jesus mich an und fragte, ob ich ein Zuhause hätte. Ich sagte ihm: "Ich habe keine Mama und auch keinen Papa, also habe ich auch kein Zuhause". Dann sagte Jesus, ich könne bei ihm bleiben. Aber ich sagte Jesus, ich könnte leider nicht bei ihm bleiben, weil ich kein Geschenk für ihn hätte wie alle die anderen Leute. Aber ich wollte so gerne bei Jesus bleiben, daß ich überlegte, was ich wohl hätte, das man als Geschenk für Jesus nehmen könnte. Ich dachte mir, daß es vielleicht ein ganz gutes Geschenk wäre, wenn ich ihn warm halten könnte.
Also fragte ich Jesus: "Wenn ich dich warm halte, wird das gut genug als Geschenk für dich sein?" Und Jesus antwortete mir: "Wenn du mich wärmst, ist das das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe". Also stieg ich zu ihm in die Krippe und dann schaute Jesus mich an und sagte, ich könne bleiben - für immer".
Als der kleine Mischa seine Geschichte beendet hatte, waren seine Augen voller Tränen, die seine Wangen hinunter liefen. Er schlug sich die Hände vor das Gesicht, sein Kopf fiel auf den Tisch und seinen Schultern zuckten heftig, als er endlos schluchzte und weinte.
Der kleine Waisenjunge hatte
jemanden gefunden, der ihn nie verlassen oder mißbrauchen würde
- FÜR IMMER.
Ich habe gelernt, daß
es egal ist, was du hast im Leben, sondern daß es darauf ankommt,
wen du hast.
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Ihr
Roland Rösler