16.03.05 

Ein Zwischenbericht an den CDL-Arbeitskreis "Sexualerziehung"
Zu der Pro-familia-Veranstaltung „let’s talk about ...„ für Schulklassen 

Laut Pressemitteilung in der Frankfurter Rundschau vom 26.04. 03 will Pro familia mit der Aufklärungskampagne „let’s talk about ...„ vor allem über „die sehr uninformierten ‚ersten Male’ aufklären„ und damit „den seit 1995 um 50 Prozent gestiegenen Schwangerschaften Minderjährigen entgegensteuern„. Diese Aufklärung soll in standardisierten sexualpädagogischen Unterrichtsstunden für die Schüler/innen ab der Klasse 5 in den Pro-familia-Beratungsstellen geschehen. Im Schuljahr 2003/04 haben sich „weit über 20 Tausend hessische Schüler/innen ab der 5. Klassen  ...auf die kostenlose Sexualberatung ‚Let’s talk about ...’ der Kooperationspartner (BKK und Pro familia) eingelassen„ (Presseerklärung BKK). 

1. Über die Art und den Charakter dieser sexualpädagogischen Kurse gibt der Hessenschau-Beitrag „Sexperten an die Front„ vom 1. 2. Auskunft (siehe Anlage) oder auch ein Zeitungsbericht aus der Nass. Neuen Presse vom 8. 3. 04, in der eine Schulklasse von der Pro-familia-Beratung berichtet. Selbst einem pädagogischen Laien fällt dabei die Simplifizierung und Banalisierung dieser Art von „Sexualpädagogik„ auf, wie sie in diesen Berichten zum Ausdruck kommt. Die Kurse haben mit Pädagogik nichts zu tun und irgendwelche positiven Werte werden mit Sicherheit nicht vermittelt. Deshalb spricht die Presseerklärung der BKK vom 15. 9. 04, abgedruckt unter http://schuleundgesundheit.hessen.de/info/artikel/presseprofamilia/view, auch nur von „Sexualberatung„ für Schulklassen und selbst das ist noch übertrieben. Die Kurse von Pro familia sind technisch-instrumentelle Informationsveranstaltungen rund um den Verhütungskoffer, denen übrigens eine ganz primitive hedonistisch-instrumentelle Auffassung von Sexualität entspricht (vgl. die Ausführungen in der Pro-familia-Aufklärungsbroschüre „about YOU„ für 13- bis 16Jährige, z. B. S. 11: „Das Glied (umgangssprachlich auch Schwanz, Pimmel ...) ist nicht nur zum Wasserlassen (Pinkeln) da. Sondern vor allem auch ‚zum Sex haben’ und Lust erleben – das kann Selbstbefriedigung sein, oder Geschlechtsverkehr (miteinander schlafen) oder alles mögliche andere„, später als „Oral- und Analverkehr„ präzisiert). 

2. Auch die Begründung von Pro familia für die generelle Notwendigkeit von „außerschulischer Sexualberatung„ ist schlichtweg falsch oder an den Haaren herbeigezogen – offenbar so hingestellt und hingebogen, um an das Geld der Sponsoren zu kommen. In der Studie „Jugendsexualität. Ergebnisse der Repräsentativbefragung aus 2001„, hgg. von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wird die Aufklärung von Jugendlichen unter verschiedenen Aspekten befragt. Daraus ergibt sich, dass bei den 14Jährigen 95 % der Mädchen aufgeklärt sind, bei den Jungen liegt die Quote bei 92 % (S. 13). Die Sexualaufklärung wird zu 2/3 (Mädchen) von den Eltern selbst geleistet, bei den Jungen zu ¾ (S 12). Die übrige Aufklärung geschieht in den Schulen: 93 % der Schüler/innen (West) gaben an, in der Schule Sexualkundeunterricht bekommen zu haben (S. 19). Weitere Informationsquellen der Aufklärung - insbesondere zur Verhütung - sind Arztbesuche. 63% der Mädchen gaben als Grund für Arztbesuche an, dass Sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr über Verhütung informiert sein wollten (S. 24). Schließlich greifen Kinder und Jugendliche auch auf die unterschiedlichen Medien zurück, um sich über die „Themen rund um die Sexualität„ zu informieren (S. 27). 
Neben der These von dem „uninformierten ersten Mal„ behauptet die Landesvorsitzende von Pro familia Hessen ganz allgemein: „Es fehlt ... an Information„ (FR 26. 04. 03). Weiterhin wirft sie den Lehrern mangelnde pädagogische Kompetenz in diesen Fragen vor und erklärt die Schulen in Sachen Sexualkundevermittlung für ungeeignete Orte – absolut unverschämte Aussagen angesichts der primitiven Verhütungskoffer-„Pädagogik„ von Pro familia. Übrigens ist bei dem aktuellen Pro-familia-Projekt „peer education„ im Giessener Raum die Schule anscheinend wieder ein idealer Ort zur Vermittlung von Sexualkunde (siehe Anlage). Pro familia dreht die Sache und die Fakten so, dass sie in ihren Kram passen. 

Auch in der Presseerklärung vom 15. 9. 04 wird versucht, den Erfolg der Schulsexualberatungsaktion von Pro familia schönzureden. Angesichts der oben aufgezeigten Aufklärungszahlen nimmt es schon Wunder, wenn die Presseerklärung mit einer Aussage / Frage im „bravo„-Stil überschrieben ist: „Macht Küssen schwanger?„. In welcher Welt leben die Autoren eigentlich, wenn davor gewarnt wird, Aufklärung durch „Weitersagen!„ zu betreiben? Weiterhin will die BKK-Presseerklärung  – noch über Pro familia hinaus – „außerordentlichen Informationsbedarf„ ausgemacht haben. Außerdem verblüffe „die Naivität vieler Fragen„, meinten Berater von Pro familia. Abgesehen von den blödsinnigen „bravo„-Fragen nach der Schwangerschaftswirkung von Küssen, die sich die Pro-familia-Leute ausdenken und kein Jugendlicher stellen würde, werden sich Pro familia und BKK fragen lassen müssen, warum sie die einfachen Fragen von Fünftklässlern, also10Jährigen bis 14Jährigen, öffentlich als „Naivität„ abkanzeln! 

3. Laut FR hat Pro familia mit der Aufklärungskampagne auch das Ziel, „den seit 1996 um 50 Prozent gestiegenen Schwangerschaften Minderjähriger entgegenzusteuern (FR 26. 4. 03). Diese Aussage unterstellt, dass mangelnde Aufklärung der Grund für die steigende Zahl von Minderjährigen-Schwangerschaften seien und deshalb diesem Trend durch verstärkte Aufklärungsbemühungen abzuhelfen wäre. Auch dieser Begründungsansatz ist falsch. Die oben zitierte Repräsentativbefragung nennt andere Gründe für die Zunahme der frühen Schwangerschaften und resümiert die entsprechenden Befragungsergebnisse so: „Es bestätigt sich leider die Tendenz, die schon 1998 sichtbar wurde: Der erste Geschlechtsverkehr erfolgt bei immer mehr Jungendlichen ungeplant, vor allem für die Jungen, aber auch seitens der Mädchen. Dieser Trend zur Spontaneität konterkariert die Verbesserungen bei Aufklärung und Beratung. Für die Jungen lässt sich das sowohl aus der Zahl derer ablesen, für die es ‚völlig überraschend’ zum ersten Mal kam – 1998 und 2001 beträgt dieser Anteil etwa ein Drittel, 1980 und auch noch Anfang der neunziger Jahre lag die Zahl bei etwa einem Viertel -, als auch daran, dass der Anteil der Jungen zurückgegangen ist, die den Tag ihres ersten Geschlechtsverkehrs genau bestimmt haben (1980:  36%, 2001: 22 %). Die Mädchen folgen der gleichen Tendenz, aber verhaltener: Anstieg der ‚völlig Überraschten’ von 21 % in 1980 auf 25 % in 2001, Rückgang der gezielt Vorgehenden : 38% auf 34 %„ (S. 52f). 

Aus der weiteren Untersuchung kann man auch den Grund für diesen Trend erschließen: Je früher das Einstiegsalter in das Sexualleben liegt und je niedriger das Alter bei dem ersten Geschlechtsverkehr ist, desto höher liegt die Zahl der Jungen und Mädchen, die ihren ersten Geschlechtsverkehr als „völlig ungeplant und überraschend„ angeben. Bei Mädchen, die mit 14 Jahren oder früher erstmals Geschlechtverkehr hatten, stimmten 42 % der Aussage „völlig ungeplant und überraschend„ zu, bei Jungen waren es sogar 59 %. Aus diesen Zahlen sind folgende Schlüsse zu ziehen: Dass aus den völlig ungeplanten und überraschenden Geschlechtsverkehrkontakten trotz Aufklärung und Verhütungswissen eine bestimmte Anzahl von Schwangerschaften entstehen, kann als sicher angenommen werden. Die steigende Gesamttendenz zum ungeplanten und überraschenden ersten Mal ist also durch die steigende Zahl von frühestem Geschlechtsverkehr (bis 14 Jahren) zu erklären. Letztlich ist somit die zunehmende Frühsexualisierung der Kinder und Jugendlichen für die steigende Zahl von Frühschwangerschaften und die entsprechenden Abtreibungen bei Minderjährigen verantwortlich. An dieser Frühsexualisierung ist sicherlich der Pornographietrend in den öffentlichen Medien mitverantwortlich, mehr noch die Sexualisierung durch die Jugendzeitschriften („bravo„ u. a.). Aber auch Pro familia ist mit ihren Aufklärungsschriften und Sexualschulungen an der Frühsexualisierung nicht unschuldig. Wenn man die menschliche Sexualität ausschließlich hedonistisch darstellt, wenn man Abtreibung als völlig risikolosen und leichten Eingriff verharmlost, welchen Grund gibt es dann für einen 13/14Jährigen, nicht unmittelbar Sexualkontakte und Geschlechtsverkehr anzustreben? Pro familia gibt in ihren Schriften für frühesten Geschlechtsverkehr auch noch einige positive Tipps und Tricks (vgl. S. 43 der Broschüre). Außerdem wirkt die technische Verhütungsmittelaufklärung von Pro familia, sie sicherlich das Handlungsziel hat: kein Geschlechtsverkehr ohne Verhütung, auch im lebenspraktischen Umkehrschluss: Wer Verhütungsmittel kennt und anwenden kann, ist bereit und fähig für Geschlechtsverkehr. Somit fördert Pro familia mit ihrem Verhütungs-Aufklärungsunterricht aufgrund des  „heimlichen (ungeplanten) Lehrplans„ die Frühsexualisierung und damit Frühschwangerschaften und frühe Abtreibungen (an denen Pro familia dann auch noch verdient). 

Diese Schlüsse und Folgerungen werden durch die Untersuchung der Lüneburger Ärztin Dr. Gille bestätigt. Die Gynäkologin hatte in einer Untersuchung festgestellt, dass 80 % der Jugendlichen im Nachhinein wünschten, sie hätten „mit dem Sex noch warten sollen„ (Der Gynäkologe, 7/2004). Auf diesem Hintergrund muss man die Frühsexualisierung in den Aufklärungsbroschüren und Schulsexualberatungen von „pro familia„ tatsächlich als Verführungspädagogik charakterisieren. D. h. konkret: die Kinder und Jugendlichen haben von sich aus das Gefühl oder die Einstellung, dass sie nicht so früh mit dem Sex beginnen sollten, werden dann aber von Pro Familia direkt oder indirekt dazu ermuntert - alle Bedenken und Risiken herunterspielend-, mit einer Sexualbeziehung zu beginnen oder sie anzustreben. Diese Pro-Familia-Verführungspädagogik steht dem Erziehungsanspruch und –auftrag von Elternhaus und Schule diametral entgegen, nach der Sexualerziehung „die grundlegende Bedeutung von Ehe und Familie zu vermitteln„ (§ 7 des Hessischen Schulgesetzes) und die . Sexualpädagogik als Teil der „Persönlichkeitserziehung„ dem Ziel einer „sittlichen Reife mündiger Menschen„ zu dienen hat, wie es das Bundesverfassungsgericht im einschlägigen Urteil von 1977 aussagt. 

4. Es sind Zweifel an der Seriösitat und Integrität von Pro familia angebracht. Im letzten Jahr stand Pro familia dreimal im Fokus von staatsanwaltlichen Ermittlungen: einmal wegen verbotener Werbung für Abtreibung (219a) sowie wegen unzulässiger Verbindung von Beratung und Abtreibungszentren (§ 9 Schwangerschaftskonfliktgesetzes). Weiterhin wurde vom hessischen Rechnungshof aufgedeckt, dass Pro familia in den Jahren 2001 und 2002 1.993 Beratungsfälle zuviel für sexualpädagogische Gruppenveranstaltungen abgerechnet habe und deshalb die Landesregierung  98.000 € von Pro familia zurückfordern solle (FAZ vom 18. 6 und 19. 6. 04). Auch wenn diese Ermittlungsverfahren von laschen Staatsanwälten eingestellt wurden und das hess. Sozialministerium die fehlerhaften sexualpädagogischen Abrechnungen glatt zu bügeln versuchte, bleibt die Kritik an der fragwürdigen Praxis von Pro familia bestehen. 

Auch die Beratungspraxis von Pro familia entspricht nicht dem bundesdeutschen Recht und Gesetz in der Interpretation des Bundesverfassungsgerichts. In den 26 hessischen Beratungsstellen, in den die 10- bis 15jährigen Schüler/innen Sexualberatung über Verhütung und Abbruch bekommen, wurden im Jahre 2003 zugleich 10.600 Schwangerschaftskonfliktberatungen durchgeführt, wofür Pro familia staatliche Zuschüsse kassiert. Die Beratung hat nach § 219 „dem Schutz des ungeborenen Lebens„ zu dienen. „Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen. ... Dabei muss der Frau bewusst sein, dass das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Reicht auf Leben hat und dass deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, dass sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen„ (§ 219 (1). Diese gesetzlich vorgeschriebenen Ziele und Bedingungen der Schwangerschaftskonfliktberatung werden bei den „Blitzberatungen„ von Pro familia vermutlich in großer Zahl nicht angestrebt und angewandt. Das lässt sich mit den öffentlichen Äußerungen von pro-familia-beratenen Frauen auf den Internetseiten von Pro familia belegen: „Die Beratung bei Profamilia war überhaupt nicht gut. Sie klärte mich im Prinzip gar nicht genau auf. Mein Beraterin sagt ganz locker dass sie selbst mit 18 abgetrieben hat und es nicht bereut„ (27jährige Frau „Melody„ vom 13. 6. 04). 

Eine weitere Autorin im Pro-familia-Dialogforum schreibt: „Ich war bei dem Beratungsgespräch von Profamilia. Ich muss ehrlich sagen es lief im Grunde so ab: Ich ging rein, die frau fragte mich warum ich da bin, ich sagte wegen einer Abtreibung, dann redete sie irgendwas von Verhütung, wie es dazu gekommen ist und was meine persönlichen Gründe sind die Schwangerschaft abzubrechen. Ich musste gar nicht viel sagen, außer dass ich im Studium stecke, es mit dem Kindsvater nicht mehr klappt weil er mich nicht mehr leibt und dass ich es alleine einfach nicht schaffen kann. Daraufhin hat sie mir auch schon den Zettel ausgefüllt, hat mir noch eine Ärzteliste dazu gegeben und mir empfohlen ich soll mich wegen der Kostenübernahme an die AOK wenden, da ich noch Studentin bi und nicht so viel Geld habe. Das Gespräch dauerte eine halbe Stunde, es wurde nicht weiter auf irgendeine Problematik hingewiesen, sie sagte mir nur noch, dass ich mich danach, falls ich Probleme hätte auf jeden Fall wieder melden könnte. Bevor ich dann rausgegangen bin hat sie mir noch einen Überweisungsträger in die Hand gedrückt damit ich wenn ich es wünschte ein bisschen was für die Beratung überweisen kann, das sie sich ja ausschließlich über Spenden finanzieren bei profamilia. So war das da. Was sagst du dazu? Es war absolut nicht hilfreich und ich kann nur sagen, wenn jemand dann echt eine Abtreibung machen lässt und sich nicht dessen bewusst ist, was es heißt, der kann arm dran sein. So ein Gespräch ist gegenüber Frau und Kind menschenverachtend, ignorant, brutal, eine Zumutung, das von einer staatlich unterstützten Beratungsstelle. Da muss was geschehen!!!„ (Autorin „Hoffnung„ vom 14. 1. 03) 

Und schließlich eine Teilnehmerin mit dem Forum-Namen „Anis„ vom 25. 6. 03: „Also ich kann nur sagen, dass ich bei der sogenannten PRO-familia bei einer Beratung war. Ist schon ein wenig her und ‚beraten’ wurde ich mit Sicherheit nicht. Eher dahingebracht, dass so ein Abbruch doch eher etwas Harmloses ist und alles problemlos über die Bühne läuft. Ich kann nur den zweifelnden Schwangeren raten, sich SELBER zu fragen, wie SIE sich mit der Schwangerschaft fühlen – abgesehen von dem Freund, der vielleicht nicht will, den Eltern, die dagegen sind, ‚profamilia’, die einem sagen, es ist doch alles kein Problem. 
Das ist meine Meinung dazu. Meiner Meinung nach war die ‚Beratung’ der profamilia damals ein absoluter Witz, ich habe ein paar Papiere in die Hand bekommen und den Schein unterschrieben bekommen und ‚alles war ok’. Ich kann nur sagen an die Frauen, die nicht wissen, wohin mit sich und ihren Zweifeln: Überlegt euch das gut FÜR EUCH. Für EUCH: für Dich und Dein Kind. Und lasst Euch nicht beeinflussen von Institutionen, denen die ganze Geschichte dann doch eher egal ist. Es ist  Euer Leben, das Ihr alleine oder zu weit weiter verbringt. Aber um Himmels willen lasst Euch nicht überzeugen davon, dass eine Abtreibung ein ‚harmloser Eingriff’ ist, der mal eben auf dem Papier unterschrieben wird.„ (Alle Äußerungen aus dem Dialogforum) 

Diese Erfahrungen von betroffenen „beratenen„ Schwangeren entsprichen auch dem Selbstverständnis sowie der Selbstauskunft von Pro-familia-Beraterinnen. Bei einem Interview mit der ärztlichen Leiterin einer hessischen Pro-familia-Beratungsstelle, die zwei Schülerinnen der FJL-Schule im Februar 2005 organisiert haben, sagte die Frau Doktorin einleitend: „Jede Frau, die in unsere Beratungsstelle kommt und den Wunsch nach Abtreibung und dem Schein äußert, bekommt den Schein.„ Frage der Schülerinnen nach der Dauer einer Beratung; Antwort: Sie sollte ca. eine Stunde dauern, aber wenn der obige Wunsch vorgetragen würde, ging das auch in der Hälfte der Zeit und noch kürzer. Weitere Frage, ob in der Beratung nicht den Schwangeren gesagt würde, dass das ungeborene Kind auch ein Lebensrecht gegenüber der Frau habe, wie das vom Bundesverfassungsgericht und vom Gesetz anzusprechen Pflicht sei? Antwort: Das steht so explizit nicht im Gesetz. Frage, ob sie in der Beratung der Schwangeren Hilfe in ihrer Notlage anböten und Beratung, wie sie das Kind austragen könnte? Antwort: Das ist nicht unsere Aufgabe als Beratungsstelle. Wenn die Schwangeren ausdrücklich nach Hilfen fragen, geben wir die entsprechenden Stellen und Mittel an. 
Schließlich kann man auch aus der Jungend-Aufklärungsschrift „about YOU„ von Pro familia  diese Beratungspraxis erschließen, wenn dort – neben einer unglaublichen Verharmlosung von Abtreibung - behauptet wird: „Ein Schwangerschaftsabbruch kann in den ersten zwölf Wochen vorgenommen werden, wenn eine Notlage vorliegt„ (S. 89). Das Gesetz und der Gesetzgeber verpflichten dagegen die Beratungsorganisationen, dass die Beratung gerade der „Notlage abhelfen„ und die Konfliktlage bewältigen soll. Schließlich ist die lasche und anti-gesetzliche Schwangerschaftskonfliktberatung von Pro familia auch als logischer Ausfluss des Grundsatzprogramms dieser Abtreibungsorganisation zu sehen. Pro familia fordert die Abschaffung von allen gesetzlichen Regelungen, die das Recht der Frau auf Entscheidung über Abtreibung oder Fortsetzung der Schwangerschaft einschränken, also eine gesetzlich schrankenlose Abtreibungspraxis. Natürlich wird diese zentrale Programmforderung, auf die die Pro-familia-Mitarbeiter geschult sind, auf die Beratungspraxis durchschlagen, wie aus den Aussagen von betroffenen Beratenen zu ersehen ist. 

Im Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 28. 5. 1993 heißt es: „Der Schutzauftrag verpflichtet den Staat schließlich auch, den rechtlichen Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewusstsein zu erhalten und zu beleben. Deshalb müssen die Organe des Staates in Bund und Ländern erkennbar für den Schutz des Lebens eintreten. Das betrifft auch und gerade die Lehrpläne der Schule.„ Wie kann einer Organisation, die so eklatant gegen den verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Auftrag zum Lebensschutz verstöß, flächendeckend der Sexualkundeunterricht für Schüler anvertraut werden? 

5. Bzgl. des historischen Kontextes ist die Organisation Pro familia aus der eugenischen Rassenideologie entstanden, die in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts in Europa und Nordamerika verbreitet war. Die Gründungspatin für den 1952 eingetragenen Verein „Pro Familia„ ist die amerikanische „Birth Control Ligue„, später umbenannt in „Planned Parenthood Federation of Amerika„, deren fanatische Leiterin Margret Sanger schließlich 1948 die „International Planned Parenthood Federation (IPPF) gründete. M. Sanger forderte schon 1926, ein Jahr vor Hitlers „Mein Kampf„, eine „Qualitätskontrolle unserer Bevölkerung„: „Die Notwendigkeit einer höheren Geburtenrate der Intelligenten erfordert von der Regierung, die Bürde der Irren und Schwachsinnigen von unseren Schultern zu nehmen.„ Im gleichen Jahr traf Margret Sanger auf einer Weltbevölkerungskonferenz in Genf mit dem Rassenhygieniker Dr. Hans Harmsen zusammen, der 1952 Pro familia gründete, bis 1962 als Präsident die Geschicke des Vereins lenkte und anschließend bis 1984 (!) sein Ehrenpräsident war. Dr. Harmsen, ein Schützling des berüchtigten Rasseneugenikers Eugen Fischer, hat maßgeblich an den eugenischen Rassegesetzen des NS-Staats mitgewirkt, die schließlich zur Ermordung von ca. 150.000 behinderten Kindern und Erwachsenen durch die Nazis führten. 

Es scheint so, dass Pro familia ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ein linksliberales Mäntelchen übergezogen hätte, mit dem sie ihre bräunliche Herkunft umzufärben versuchte. Tatsächlich aber wachsen die rassenideologischen Wurzeln des Vereins bis in heutige Programme durch, wenn auch in neuem Gewande. Waren es im 3. Reich die Behinderten, die der Nazi-Staat nicht wollte und deshalb abtreiben oder töten ließ, so sind es heute bei Pro familia die „ungewollten und unerwünschten Kinder„, die diese Stelle  einnehmen. Der langjährige Leiter vom Pro-familia-Beratungs- und Abtreibungszentrum Bremen, Dr. Gerhardt Amendt, schreibt in der Zeitschrift „Elterhaus und Schule„ 1990: „Die Forschung zum Leben unerwünschter Kinder zeigt eines: Die frei verfügbare Abtreibung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Kindern das schwere Los erspart bleibt, unerwünscht leben zu müssen. Die Freigabe der Abtreibung ist Politik zum Wohle des Kindes.„ Diese Art von Text ist in argumentativer Struktur und ideologischem Duktus durchaus mit Nazi-Texten vergleichbar. – Nach dem Bremer Abtreibungszentrum, konzipiert von G. Amendt, sind übrigens auch die drei hessischen Abtreibungszentren in Kassel, Gießen und Rüsselsheim entstanden. 
Auf die Ablehnung der gesetzlichen Regelungen zur Schwangerschaft und zum Schwangerschaftsabbruch durch den Verband Pro familia ist schon hingewiesen worden. Das heißt in letzter Konsequenz auch, das Pro familia die Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes nicht in ihrem vollen Umfang anerkennt. Das Recht auf Leben für jeden Menschen (Artikel 2 GG) wird von Pro familia nicht von Anfang an anerkannt, jenem Anfang, den das  Bundesverfassungsgericht in mehreren Urteilen auf das Verschmelzen von menschlicher Ei- und Samenzelle erkannt und festgelegt hat. Also wird diesem im Mutterleib als Mensch sich entwickelnden Embryo auch keine Menschenwürde zuerkannt (Art 1 GG). 

Pro familia ist in mehrfacher Hinsicht eine ethisch-politische Schmuddel-Organisation.
16.03.05  H. H. 
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