ZENIT - Pressethemen Nov. / Dez. 2003

Inmitten von Befürchtungen geht die Arbeit mit embryonalen Stammzellen weiter
Kirche erinnert Gesetzgeber an ethische Prinzipien
Mensch und Übermensch: Die Verlockung der Biotechnologie
Bioethikrat warnt vor einem Glück, das unter der Würde des Menschen ist 
Pränatale Untersuchungen: Selektion unter den Ungeborenen
Im Zuge der aufkommenden Pränataldiagnostik (PND) folgt häufig die Abtreibung auf dem Fuße



ZENIT - 15.11.03
Inmitten von Befürchtungen geht die Arbeit mit embryonalen Stammzellen weiter
Kirche erinnert Gesetzgeber an ethische Prinzipien 

BRÜSSEL, Belgien, den 18. Oktober, 2003 (ZENIT.org).- Die Debatten über das Klonen von Menschen berühren unweigerlich die Frage der Forschung mit embryonalen Stammzellen. Die Experimente sowohl mit adulten als auch mit embryonalen Stammzellen gehen weiter. Gleichzeitig debattieren viele Länder über Gesetze zu dieser Praxis. Die nationalen Parlamente Spaniens und Kanadas beraten zur Zeit über Entwürfe zu Gesetzen, die teilweise vorschlagen, die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu erlauben. 

Im Sommer dieses Jahres, berichtete "Associated Press" am 9. Juli, hat die EU Leitlinien veröffentlicht, die in Betracht ziehen zu erlauben, dass Geldmittel für die Forschung mit Stammzellen tiefgekühlt gelagerter menschlicher Embryonen verwendet werden. In den von der Europäischen Kommission veröffentlichten Vorschlägen hieß es weiter: "Die EU will nicht die Forschung an embryonalen Stammzellen finanzieren, wo sie verboten ist." Eine letzte Entscheidung über die Vorschläge ist noch nicht gefallen. 

Zur Zeit erlauben Schweden, Finnland, Griechenland, die Niederlande und Großbritannien die Forschung mit Stammzellen tiefgekühlt gelagerter Embryonen. Deutschland erlaubt eine solche Forschung nur an importierten Stammzellen, die vor dem 1. Januar 2002 bereits vorhanden waren. Die Europäische Kommission hat ebenfalls ein Stichdatum gesetzt, nämlich den 27. Juni 2002, bis zu dem die Embryonen hergestellt worden sein müssen. Der Stichtag gilt nicht für Stammzelllinien. 

Die Vorschläge riefen Kritik von Seiten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft hervor. "Eine solche Forschung wirft grundsätzliche ethische Probleme auf, weil sie die Tötung menschlicher Embryonen voraussetzt", erklärte die Kommission (COMECE) in einem Pressekommuniqué am 9.Juli. Die COMECE machte geltend, dass die Entscheidung darüber, ob für eine solche Forschung eine finanzielle Unterstützung gewährt werden sollte, so schwerwiegende ethische Bedenken heraufbeschwöre, dass sie von den einzelnen Mitgliedsstaaten getroffen werden und die EU von einer gemeinsamen Finanzierung im Namen aller Mitgliedsstaaten Abstand nehmen sollte. 

Inzwischen hat die Schweiz als letztes europäisches Land die Forschung an embryonalen Stammzellen genehmigt. Das Schweizer Parlament (die Bundesversammlung) billigte Gesetzesvorschläge, welche die Forschung an Stammzellen "überschüssiger" menschlicher Embryonen erlauben, berichtete "Swissinfo" am 18. September. 

Die Entscheidung ist getroffen worden, nachdem der Bundesrat dafür gestimmt hatte, dass Wissenschaftler Stammzellen von bis zu 7 Tage alten Embryonen verwenden dürfen. Der Bundesrat stimmte dagegen, dass ungefähr 1000 tiefgekühlt gelagerte Embryonen am Jahresende getötet werden sollen. Das Gesetz verbietet die Herstellung von Stammzellen für Forschungszwecke und den Handel mit Stammzellen. 

Schönes neues England (Brave New England) 

Forscher in England forschen frisch drauf los, mit Rückendeckung der Regierung durch großzügige finanzielle Unterstützung. Am Ende des vergangenen Jahres kündigte die Regierung das größte Forschungsprogramm der Welt an, mit vierzig Millionen Pfund (66,7 Millionen Dollar) an Finanzierungsmitteln, berichtete damals am 10. Dezember die Tageszeitung "Telegraph." Zu diesem Betrag kommen noch 2,6 Millionen Pfund (4,3 Millionen Dollar) hinzu, die für die Einrichtung einer nationalen Stammzellenbank ausgegeben werden sollen. Für dieses Projekt seien bereits 7 Millionen Pfund (11,6 Millionen Dollar) im Jahr 2002 ausgegeben worden. 

Das King’s College in London gab bekannt, dass es eine aus einem menschlichen Embryo gezüchtete Stammzelllinie entwickelt habe, berichtete BBC am 13. August. Professor Peter Braude, der das Forschungsteam leitete, erklärte gegenüber BBC, dass die erfolgreiche Einrichtung einer Stammzellen- "Bank" der Forschung im Vereinigten Königreich sehr helfen würde. Weltweit stünden den Forschern ungefähr ein Dutzend solcher Stammzelllinien zur Verfügung, schrieb BBC. 

Demgegenüber erklärte Dr. Helen Watt vom Linacre Center, diese Forschung verletze die Menschenrechte und die Interessen der Embryonen. "Diese [Forschung] macht das Unrecht, das wir diesen Embryonen antun, noch größer, indem wir uns vermessen, sie in pharmazeutische Produkte zu verwandeln", beklagte Watt. Das Linacre Center berät die katholische Kirche in bioethischen Fragen. 

Nachrichten über ein jüngstes Experiment in China bestätigten Frau Dr. Watts Befürchtungen. Ein Team von Wissenschaftlern an der Zweiten medizinischen Universität Schanghais verschmolz menschliche Zellen mit Eizellen von Kaninchen, um Stammzellen zu erzeugen, berichtete die "Associated Press" am 23. September. 

Die Wissenschaftler entfernten die Zellkerne, welche die DNS enthalten, aus den Eizellen der Kaninchen. Sodann führten sie DNS von menschlichen Hautzellen ein. Die daraus entstehenden Embryonen waren Klone der menschlichen Spender, obwohl man nie vorhatte, sie zu Babys heranwachsen zu lassen. Nach ungefähr einer Woche konnten die Forscher von den Embryonen Stammzellen gewinnen. 

Die Ergebnisse dieser Forschung wurden in "Cell Research", einem vom ‚Parteiadel’ zensierten Journal der regierungsnahen chinesischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht. China investiert kräftig in Biotechnikforschung, berichtete "Associated Press". Im vergangenen Jahr 2002 beliefen sich die Ausgaben des Landes für Biotechnologie insgesamt auf 272,4 Millionen Dollar. 

Endrunde in den USA 

In den Vereinigten Staaten werden die Restriktionen der föderativen Regierung auf der Ebene der Teilstaaten unterlaufen. Kalifornien genehmigte vor kurzem die Stammzellenforschung an Embryonen und schloss sich damit 11 anderen Staaten an, die ihre eigene Gesetzgebung haben, berichtete die "San Diego Union-Tribune" am 25. September. Im August 2001 hatte Präsident George Bush die föderativ finanzierte Forschung auf die damals bereits bestehende Gruppe von Stammzelllinien beschränkt. 

Die Bundesregierung selbst kündigte kürzlich finanzielle Unterstützung für die Forschung an. Die Nationalen Gesundheitsinstitute kündigten drei Subventionen an, die sich insgesamt auf 6,3 Millionen Dollar belaufen, für Forscher, die menschliche embryonale Stammzellen untersuchen, berichtete "Reuters" am 29. September. 

Am 12. Juni wandte sich Richard Doerflinger, der stellvertretende Leiter des Sekretariats der US-amerikanischen Bischöfe für Pro-Life-Aktivitäten in der Frage der Embryonenforschung an den Bioethikrat des Präsidenten. Er verteidigte die Notwendigkeit ethischer Grenzen auf diesem Gebiet. 

Doerflinger warnte davor, dass ein nur vom utilitaristischen Kalkül des "der Zweck heiligt die Mittel" bestimmtes Forschungsunternehmen in den Fehler verfalle, den Menschen auszubeuten. Eine ethisch verantwortbare Forschung, betonte er nachdrücklich, erfordere, dass kein unnötiges Risiko für menschliche Personen bestehe; dass die Person aus freiem Willen und nach angemessener Information ihr Einverständnis gebe; und dass eine schwerwiegende Verletzung oder der Tod im Namen der medizinischen Wissenschaft vermieden werde. 

Was das Argument angehe, dass die Stammzellenforschung an Embryonen gerechtfertigt sei, weil sie leidenden Patienten helfen könnte, erklärte Doerflinger, das sei nicht die einzige ethische Norm, die berücksichtigt werden müsse. Ebenso gültig sei der Grundsatz, dass man im Dienste eines solchen zwar positiven Zieles einem Menschen nicht Schaden zufügen oder ihn ausbeuten dürfe. "Es ist ethisch nicht verantwortbar, den einen unschuldigen Menschen zu töten mit der Begründung, dass man damit Ergebnisse erzielen könnte, die das Leben mehrerer Menschen retten könnten," erklärte er. 

Anhänger der Stammzellenforschung an Embryonen behaupten jedoch, dass das, was wie ein Zellklumpen aussehe, nichts spezifisch Menschliches an sich habe. Kardinal Alfonso López Trujillo widerlegt diesen Punkt in einem Artikel, den er am 9. August für den "L'Osservatore Romano" über das Klonen geschrieben hat. 

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie führt die wissenschaftliche Forschung an, die zeigt, wie die Entwicklung des Embryos ein koordinierter Vorgang ist, der unter der Führung des neu entstandenen menschlichen Genoms abläuft. Wir haben es hier also mit einer zusammenhängende Einheit zu tun, nicht nur mit einer bloßen Ansammlung von Zellen. Er weist darauf hin, dass Dr. Ian Wilmut, der das Schaf Dolly klonte, dieses Argument stützt. Er zitiert Wilmut: "Wenn ein Embryo geschaffen wird, übernimmt ein automatischer Pilot seine Entwicklung von Anfang an." 

Außerdem entwickele sich der Embryo während der verschiedenen Stadien kontinuierlich und fortschreitend mit keinerlei Hinweis auf eine radikale Änderung, die eine qualitative Verwandlung von etwas Nichtmenschlichem zum Menschen anzeigen würde. "Die missbräuchliche Einführung des Begriffs Vorembryo war ein Trick, um die Gewissen zu beruhigen und Experimente bis zum Ende des Stadiums der Nidation (Einnistung in die Gebärmutter) zu erlauben", macht Kardinal López Trujillo geltend. 

Und wenn der Embryo in seinen Frühstadien kein Mensch ist, was ist er dann? fragt der Kardinal. Zu welcher Tierart gehört er dann, wenn er doch ein menschliches Genom hat? Die Befürworter der Stammzellenforschung an menschlichen Embryonen haben auf diese und andere Fragen keine überzeugende Antwort. 
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ZENIT - 15.11.03
Mensch und Übermensch: Die Verlockung der Biotechnologie
Bioethikrat warnt vor einem Glück, das unter der Würde des Menschen ist 

WASHINGTON, D.C., den 1. November, 2003 (ZENIT.org).- Am 15. Oktober hat der Bioethikrat des Präsidenten einen sehr ausführlichen Bericht über das Glück eingereicht. Auf den ersten Blick mag das als ein seltsames Thema für dieses vom Präsidenten George W. Bush eingesetzte Gremium erscheinen. 

In seinem Einleitungsschreiben erklärt Ratspräsident Leon Kass, die Biotechnologie verspreche, die Menschen "jünger aussehen, erfolgreicher sein, sich glücklicher fühlen beziehungsweise ‚vollkommener‘ werden zu lassen." Kass warnt sodann davor, den Sinn des Menschenlebens auf medizinische Begriffe zu reduzieren. Vielmehr, macht er geltend, müsse unser Genuss der Wohltaten der Biotechnik auch unter psychologischen, ethischen und spirituellen Gesichtspunkten gesehen werden.

Die Biotechnologie, heißt es in dem Bericht, biete eine weite Vielfalt von Verfahren und Produkten an, welche das Potential liefern, die Phänomene (Erscheinungsformen) des Lebens zu verändern, und, bis zu einem gewissen Grad, sowohl bei nichtmenschlichen Formen als auch beim Menschen zu kontrollieren und zu beherrschen. Wie jedoch auch bei anderen Technologien, könnten Mittel und Zweck leicht voneinander abgekoppelt werden, warnt der Bericht. Er spricht sich für eine sorgfältige Überlegung darüber aus, welche Art von "Veredelungen" der menschlichen Spezies für uns wünschenswert sind. 

Neue Verfahren versprächen, uns dabei zu helfen, einen gesünderen Körper zu erhalten, Leiden zu lindern, Krankheiten auszumerzen und unser Leben zu verlängern. Aber sie beschwören auch das Schreckgespenst der Designerbabys, der Eugenik, der Verhaltenskontrolle und des Bioterrorismus herauf. Die Biotechnik überschreite daher den Bereichs der Therapie und eröffne die Möglichkeit einer "posthumanen Zukunft", die alle Möglichkeiten zwischen Entmenschlichung und der Herstellung von Übermenschen enthalte. 

Damit gehe diese neue Macht, die uns zur Verfügung stehe, über unsere bisherigen Probleme, die dadurch entstanden, dass die Wissenschaft dazu missbraucht wurde, Menschen rationeller zu töten, hinaus. Jetzt gebe die Wissenschaft uns die "Macht, uns selbst nach selbstentworfenen Bildern neu zu schaffen." Das Ergebnis, so der Bericht, "lässt unverhofft uralte philosophische Fragen drängend aktuell werden: Was ist ein gutes Leben? Was ist eine gute Gemeinschaft"? 

Das Streben nach Vervollkommnung 

Selbst ein gesunder Mensch ist Einschränkungen unterworfen, bemerkt der Bericht. "Das Herz des Menschen kennt eine Sehnsucht nach Dingen, die über das hinaus gehen, was selbst ein gesunder Körper verwirklichen kann, und es wird enttäuscht." Durch die Geschichte hindurch haben Menschen davon geträumt, ihre Grenzen zu überwinden. Letzten Endes gehen diese Träume weit über die Bereiche der Medizin und der Therapie hinaus. "Es sind Träume von der Vollendung des Menschen, von Grund auf und für immer," heißt es in dem Bericht wörtlich. 

Diese Träume zu verwirklichen könne lobenswert erscheinen. Dennoch erhebe sich Besorgnis aus mehreren Gründen. Was würde zum Beispiel auf gesellschaftlicher Ebene geschehen, wenn viele Leute beschlössen, das Geschlecht ihres Nachwuchses auszuwählen? Oder was würde auf individueller Ebene geschehen, wenn Drogen benutzt würden, um jemandes Erinnerungen zu verändern? 

Wie wir die Biotechnologie in die Praxis umsetzen, wird in hohem Maße von den Meinungen, dem Sittenkodex und den Institutionen unserer Gesellschaft abhängen, hebt der Bericht hervor. Außerdem, bemerkt er, werde es in einer freien, pluralistischen Gesellschaft eine große Spannbreite von Meinungen über die durch die neuen Technologien erschlossenen Möglichkeiten geben. 

Der Bioethikrat, so heißt es in dem Bericht weiter, verurteile weder die biotechnologische Leistung noch das Streben nach Glück, nach besonderen Vorzügen oder Selbstvervollkommnung. Aber, so erklärt er, "diese Wünsche können ausufern." Außerdem könnten wir schlecht beraten sein hinsichtlich der Art der Ziele, die wir anstreben, wir könnten sie mit schädlichen Methoden und mit unrechten und untauglichen Mitteln verfolgen, "oft um den Preis, dass wir die angestrebten Ziele selbst zerstören." 

Gründe zu Besorgnis 

Der Bioethikrat gibt einen Überblick über eine Anzahl von Gründen zu Besorgnis hinsichtlich der Anwendung der Biotechnologie. 

-- Sicherheit und körperlicher Schaden. Der Rat weist warnend darauf hin, dass keines der für die Zwecke der Selbstvervollkommnung und Selbstzufriedenstellung angewendeten biologischen Mittel wahrscheinlich gänzlich sicher sei, da der Körper zwar ein sehr komplexes aber integriertes Ganzes sei, in das man zum Teil nur auf eigene Gefahr eingreife. 

-- Ungerechtigkeit. Die Erhöhung der Leistungsfähigkeit, sei es durch Athleten für ein Spiel, oder durch Studenten für ihre Prüfungen, werfe das Problem auf, dass einigen ein ungerechter Vorteil verschafft wird. 

-- Gleicher Zugang. Bezogen auf den vorausgehenden Punkt ist die Frage und Schwierigkeit der Verteilung hinsichtlich des Zuganges zu den neuen Verfahren der Vervollkommnungstechniken. Der Rat ignoriere nicht Vorteile, welche die neuen Technologien allen bringen können, weist jedoch auf die Erfahrungstatsache hin, dass nur die Wohlhabenden die teureren medizinischen Leistungen in Anspruch nehmen können. Es bestehe die Gefahr, dass diese Ungleichheit in Zukunft noch größer werden könnte und damit eine biotechnologisch veredelte "Aristokratie" geschaffen würde. 

-- Freiheit. Der Bioethikrat hebt hervor, dass mit der Anwendung biotechnologischen Know-hows durch einige Menschen auf andere eine Gefahr für die Freiheit einher gehen könnte. Verhaltensveränderungen durch Drogen; Designerbabys; Druck von Peer Groups auf Athleten, Steroide anzuwenden, seien nur einige der Gefahren. Die Mitglieder des Bioethikrates warnen: "Viele Veredelungstechnologien der Zukunft werden sehr wahrscheinlich angewendet werden, weil man sklavisch gewissen von der Gesellschaft festgelegten und lediglich modischen Vorstellungen von 'Vorzüglichkeit' oder Verbesserung folgt, die sehr wahrscheinlich oberflächlich und angepasst (konformistisch) sind." 

-- Stolz. Ein weit verbreiteter Einwand, führt der Bericht aus, lautet, die Biotechnologie laufe darauf hinaus, dass der Mensch die Rolle Gottes übernimmt, aber ohne seine Weisheit zu besitzen. Die Versuchung des Hochmuts, den Menschen neu zu schaffen, könne nicht nur zu schlechten beziehungsweise unbeabsichtigten Konsequenzen führen, sondern sie offenbare auch ein falsches Verständnis der von Natur vorgegebenen Welt. Die Schwierigkeit rühre daher, dass der "Geschenkcharakter" der Welt nicht gebührend geschätzt und geachtet werde. Wenn man anerkenne, dass unsere Talente und Fähigkeiten nicht ganz und gar unser eigenes Verdienst sind, bedeute das auch, zu erkennen, dass nicht alles in der Welt für jede beliebige Verwendung zur Verfügung steht, die wir wünschen beziehungsweise uns ausdenken können." Auch wenn diese Anerkenntnis teilweise eine religiöse Sensibilität und Erkenntnisfähigkeit darstelle, so erwecke sie doch Widerhall über die Religion hinaus, argumentiert der Bioethikrat. 

-- Die Würde des Menschen. Die normale Medizin mache ausgedehnten Gebrauch von künstlichen Mitteln zur Behandlung von Krankheiten. Wenn man jedoch die Menschen durch die Anwendung der Biotechnologie besser mache anstatt durch Disziplin und Leistung, erwecke dies Zweifel. Der Bioethikrat hält die Frage des Charakters für wichtig. Gesunde Menschen, deren zerrüttendes Verhalten durch Beruhigungsdrogen behoben werde, anstatt durch eigene Anstrengungen, lernten keine Selbstbeherrschung. "Wenn überhaupt etwas, so mögen sie vielleicht lernen, sie für unnötig zu halten", warnt der Bericht. 

Dies sei besonders dann der Fall, wenn Eingriffe direkt auf den menschlichen Körper und Geist eines passiven Subjekts einwirken. Dies bewirke alles andere, als einen guten Charakter zu formen, "damit ein wacher, sich selbst bewusst erlebender Mensch hervortritt, der seine Taten aus seinem Wollen, seiner Intelligenz und seiner (mit dem Körper eine Einheit bildenden, personalen Seele) hervorgehen lässt. Menschliches Gedeihen, heißt es in dem Bericht weiter, sei gerade nicht die Anhäufung äußerlicher Erfolge und Leistungen. 

-- Ziele. Der Bioethikrat rät zu einer sorgfältigen Reflexion über die Ziele, die wir mit Hilfe der Biotechnologie anstreben. Eltern wünschten sich natürlich, dass ihre Kinder gesund sind und gut gedeihen. Aber die Gefahr bestehe, dass wir höhere Ziele dadurch erreichen wollen, dass wir unser Menschsein und unsere Menschlichkeit in Gefahr bringen. Auch danach zu streben, Krankheiten zu heilen und das Altern zu vermeiden, sei natürlich, aber dies durch die Ausbeutung von Stammzellen zu tun, werfe andere ethische Fragen auf. 

Offene Fragen 

Nachdem er diese Gefahren betrachtet hat, schließt der Bioethikrat: "Unser natürliches menschliches Wünschen und Trachten muss so geformt werden, dass es vor beidem, sowohl vor einem Ausufern als auch vor Irrtum gefeit ist." Die Einzelnen und auch die Gesellschaft müssten Grenzen finden, welche die Anwendungen der Biotechnologie einschränken. Zu diesem Zweck stellt der Bericht eine Anzahl von Fragen, die sorgfältig bedacht werden sollten. 

-- Wann engt der elterliche Wunsch nach besseren Kindern deren Freiheit ein und unterminiert ihre langfristigen Chancen, Selbstbeherrschung und echte Vorzüglichkeit zu erlangen? 

-- Wann macht das Streben nach Selbstvervollkommnung das "Selbst" ärmer und erniedrigt es? 

-- Wann gefährdet eine übermäßige Sorge um einen jugendlichen Körper oder ein längeres Leben die Chancen für ein gutes Leben? 

-- Wann führt uns das Streben nach Zufriedenheit oder Selbstachtung von den Handlungen und Bindungen weg, die sich als wesentlich für diese Ziele herausstellen, wenn sie richtig verstanden werden? 

Diese Fragen zu beantworten sei nicht leicht, hebt der Bericht hervor. Und den neuen Technologien Grenzen zu setzen, sei eine schwer zu bewältigende Aufgabe. Aber ohne Grenzen irgend einer Art könnte es dazu kommen, dass die Biotechnologie am Ende die menschliche Identität selbst bedrohe. 
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ZENIT - Pressethemen  06.12.03

Pränatale Untersuchungen: Selektion unter den Ungeborenen
Im Zuge der aufkommenden Pränataldiagnostik (PND) folgt häufig die Abtreibung auf dem Fuße 

LONDON, den 15. November, 2003 (ZENIT.org).- Die Anwendung von Untersuchungsverfahren, die dem Ziel dienen, ungeborene Babys schwangerer Frauen nach Defekten zu überprüfen, geschieht immer häufiger. Das Ziel ist dabei nicht, chirurgische Korrekturen zu ermöglichen oder der Familie dabei zu helfen, mit eventuellen Problemen fertig zu werden. Fast immer zielt die Untersuchung der Ungeborenen in Richtung Abtreibung. 

Sie findet auch im Zusammenhang mit der in vitro-Fertilisation statt. In diesem Falle wird die Präimplantationsdiagnostik (genetische Untersuchung, PID) angewandt, mit der Konsequenz, dass die "defekten" Embryonen nicht eingepflanzt werden. Es gibt auch noch andere pränatale Untersuchungsmethoden, je nach der Art, wie die Embryonen erzeugt wurden. 

Eine neue Methode zur Entdeckung des Down-Syndroms und anderer Defekte wurde kürzlich in Großbritannien eingeführt, berichtete die Londoner Tageszeitung "Telegraph" am 18. Juni. Das Verfahren war bereits in den Vereinigten Staaten und Teilen Europas unter der Bezeichnung "aneuploidy-screening" (Untersuchung zur Entdeckung einer eventuellen Aneuploidie, das heißt einer Anomalie der Chromosomenzahl) in Gebrauch. Der "Telegraph" schrieb über das Verfahren, es "erlaube den Ärzten, (Embryonen) mit schwerwiegenden Chromosomenanomalien auszusondern." 

Mit diesem neuen Verfahren hatte eine Britin ihr ungeborenes Kind untersuchen lassen, obwohl in der Familie kein Fall einer genetischen Anomalie vorlag, berichtete BBC am 4. August. Bis dahin durften nur Frauen, in deren Familien Erbkrankheiten vorgekommen waren, Embryonen auf diese Weise untersuchen lassen. Aber diese Regelung war im vergangenen Jahr fallen gelassen worden. 

Die Pro-Abtreibungstendenz solcher Untersuchungen zeigte sich deutlich in einem kürzlichen CNN-Programm. In einem Kommentar für die "National Review Online" vom 10. November protestierte Dave Shiflett gegen CNN‘s Darstellung einer neuen pränatalen Untersuchungsmethode, die das Vorliegen des Downsyndroms entdecken kann. Auf der CNN Website, so Shiflett, heiße es, der Hauptnutzen dieser Untersuchung bestehe darin, dass "sie der Schwangeren (im englischen: "mother to be", der zukünftigen Mutter) mehr Seelenfrieden und mehr Zeit für die Beendigung der Schwangerschaft" gebe. CNN’s medizinischer Internetkorrespondent, Dr. Sanjay Gupta, teile diese Sicht, so Shiflett. 

Ein jüngstes Zeugnis zeigt, dass man dieses Problem auch anders angehen kann. Das berichtete die australische Zeitung "The Age" am 10. November. In den 1970er Jahren erlebten Luisa und Luo Papaleo zunächst einen Schock, als sie erfuhren, dass ihre Tochter Stephanie das Downsyndrom hatte. Das Ehepaar tat sein bestes, um ihrer Tochter zu helfen, und, anstatt sie in ein Heim zu geben, hielten sie sie in Kontakt mit anderen Kindern. 

Stephanie ist jetzt 27 Jahre alt. "Sie ist fähig, sich klar auszudrücken und kann sich gut selbst organisieren, sie denkt selbständig und klar und hat ein beeindruckendes Gedächtnis", schrieb die Zeitung. Sie wünsche sich zwar manchmal, nicht mit diesem zusätzlichen Chromosom geboren worden zu sein, sie mache sich aber einfach keine Gedanken darüber. "Ich liebe mein Leben. Ich liebe mich so, wie ich bin", wird sie zitiert. 

Anderen, die dasselbe Problem wie Stephanie haben, könnte es geschehen, dass sie niemals die Gelegenheit bekommen, das zu sagen. Die Regierung des Vereinigten Königreichs habe zugesichert, dass von 2004 an jede schwangere Frau die Gelegenheit haben wird, den Test für das Down-Syndrom zu bekommen, berichtete BBC am 19. September. Ein BBC "Five Life Report" am 21. September brachte Informationen, nach denen einige Frauen zur Abtreibung gezwungen würden, wenn bei ihrem Baby das Down-Syndrom entdeckt werde. 

Frauen befänden sich oft wie auf einem "Fließband", von dem sie nicht heruntersteigen könnten, und würden von einem System, das davon ausgeht, dass sie abtreiben wollen, wenn Anomalien gefunden werden, bedrängt, äußerte Hilary Rose, Soziologin an der "Open University", gegenüber BBC. Wörtlich sagte sie: "Das scheint mir keine heilsame Art und Weise zu sein, vorgeburtliche Gesundheitsvorsorge zu betreiben." 

Die BBC-Sendung berichtete auch über die Erfahrung eines Ehepaares, bei dessen ungeborenem Kind ein Exomphalos (omphalos der Nabel) diagnostiziert wurde, der verursacht, dass die Unterleibsorgane nach außen wachsen. Zwar wurde ihnen gesagt, dass die Missbildung nach der Geburt chirurgisch behoben werde könne, das Ehepaar spürte jedoch, dass das Krankenhaus sie zu einer Abtreibung drängte. Sie weigerten sich abzutreiben, und ihr Sohn ist jetzt ein gesunder, glücklicher Dreijähriger. 

Streben nach Perfektsein 

Zuvor war in Deutschland die Anwendung von Embryonentests vorgeschlagen worden, berichtete "Reuters" am 23. Januar. Der Nationale Ethikausschuss empfahl eine begrenzte Anwendung von Tests zur Untersuchung von Embryonen im Reagenzglas zur Feststellung genetischer Anomalien, so dass nur gesunde Embryonen eingepflanzt würden. 

Der Vorschlag wurde nicht einhellig angenommen. Neun der 24 Mitglieder stimmten gegen die Tests. Ein Gegner, der sozialdemokratische Parlamentarier Hans-Jochen Vogel, erhob gegen die Entscheidung den Einwand, wenn man einen solchen Test genehmige, könnte das dazu führen, dass sich Ehepaare für IVF entscheiden, um die genetische Untersuchung zu bekommen, obwohl sie auf natürlichem, normalem Weg Babys haben könnten. 

In Kanada rechnen Fruchtbarkeitskliniken mit einer erhöhten Nachfrage nach Embryonentests, berichtete der "Ottawa Citizen" am 10. März. Eine solche Untersuchung sei eine teure Angelegenheit. Die Zeitung berichtete, Honorare für PID am ‚McGill Reproductive Center‘ in Montreal betrügen zwischen 1.500 und 3.000 kanadische Dollar (1.142 und 2.285 US-Dollars). Diese kämen zu den 4.000 oder mehr Dollars für die IVF noch hinzu. Die angewendeten Tests könnten bis zu 100 genetische Anomalien entdecken. 

Embryonentests sind auch in den Vereinigten Staaten zunehmend verbreitet, berichtete die "Los Angeles Times" am 21. Juli. "Wie ich es sehe, wird sich dieser Trend in Zukunft durchsetzen. Jeder Embryo, [der durch IVF erzeugt wird], wird in Zukunft getestet werden", sagte Dr. Harvey Stern, Leiter des PID-Programms des Genetik & IVF-Instituts in Fairfax, Virginia. 

An zwei der größten Zentren der Nation für PID handelt es sich in fast drei Viertel der Verfahren um aneuploidy-screening, also um die Feststellung von Anomalien der Chromosomenzahl, hauptsächlich für Frauen über 35 oder Frauen, die wiederholt IVF-Misserfolge oder Fehlgeburten hatten, schrieb die Los Angeles Times. 

Aber die Praxis ist auch scharfer Kritik ausgesetzt, und eine Anzahl von Ländern hat Beschränkungen ihrer Anwendung eingeführt. "Wenn man den Leuten weismacht, dass es vollkommen OK ist -- und machbar -- diese und jene und noch eine andere Eigenschaft bei einem Embryo auszuwählen, dann öffnet man die Tür dazu, Babys als Accessoires/modisches Beiwerk zum Leben einzukaufen", sagte Marcy Darnovsky, Analytikerin am Zentrum für Genetik und Gesellschaft in Oakland, Kalifornien. 

Die starke Zunahme von Embryonentests wurde kürzlich in Italien kritisiert. Wie der "Corriere della Sera" am 3. November berichtete, sind 20 Prozent der Neugeborenen einer Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung)unterworfen worden. Diese Zahl sei ungerechtfertigt hoch, erklärte der Genetiker Bruno Dallapiccola. 

Die Zeitung führte Daten von Ärztevereinigungen an, die zeigten, dass die Anzahl der Tests im Jahr 2002 um 42 Prozent in die Höhe schnellte gegenüber dem Stand nur zwei Jahre zuvor. Grund zur Sorge sei auch, dass die Untersuchungsergebnisse selten von einer Konsultation eines Spezialisten begleitet würden, der über die Schwere der Befunde Auskunft geben könnte. 

Und es seien nicht nur lebensbedrohende genetische Defekte, die zur Abtreibung von Embryonen führen könnten. Taubheit werde jetzt zu den unerwünschten Defekten gezählt, heißt es in einem Bericht vom 11. Juli in "The Age". Ein Ehepaar von Melbourne, Australien, ließ ihre IVF-Embryonen untersuchen, um ein Kind mit intaktem Gehör sicherzustellen. Ein jeder der Ehegatten hatten ein defektes Gen, jedoch keiner der beiden war taub. Ein Kind von ihnen hätte eine Wahrscheinlichkeit von eins zu vier, das defekte Gen von beiden Eltern zu erben und taub zu sein. 

Ihre Versuche, ein Baby durch IVF zu haben, scheiterten schließlich. Aber es wurde dem Internationalen Genetik-Kongress, der in Melbourne gehalten wurde, gesagt, dass die genetische Untersuchung der erste gemeldete Fall der Welt eines embryonalen Taubheitstests sei. Die Britische Gesellschaft für Taube (British Deaf Association) erklärte, dass sie gegen eine solche genetische Untersuchung ist. "Taube Menschen wissen nur zu gut um die historischen Beziehungen zwischen Genetik und Eugenik", sagte die Gruppe in einer Stellungnahme. 

Forscher haben gerade eine Analyse der Tötung körperlich und geistig Behinderter durch das Nazi-Regime veröffentlicht, berichtete die "Associated Press" am 30. September. Mehr als 200.000 von, wie es die Nazis nannten," unwerten Leben" wurden beendet. Nimmt es die moderne Wissenschaft jetzt auf sich, solches Leben zu beseitigen, schon bevor es Gelegenheit hat, einen ersten Atemzug zu tun? 
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